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Juni-Bewertungen: schwache Nachfrage über alle Rezyklate

rPET-Flakes bei 1.331-1.341 EUR/t, Granulat bei 1.718-1.728, schwarzes rPP 3,3 % unter Vormonat. Vollständige Tabelle und vier Schlüsse für 2027.

Autor
Robert Karbowy
Datum
// 2026.07.10
ID
PC-2607-090
Lesezeit
4 Min.
Four grades of recycled polymer pellets on a steel surface
// Inhaltsverzeichnis

Der Juni schloss mit Rückgängen über die gesamte Rezyklatkurve. Nach OPIS-Bewertungen zum Monatsende lagen rPET-Flakes bei 1.331 bis 1.341 Euro je Tonne und Granulat bei 1.718 bis 1.728 Euro, DDP Nordwesteuropa. Schwarzes rPP-Granulat verlor 3,3 Prozent gegenüber dem Vormonat auf 960 bis 970 Euro. Die Nachfrage blieb bei den meisten Rezyklaten schwach; Käufer orderten nur das Nötigste in Erwartung weiterer Rückgänge bis zu den Sommerstillständen. Für Verpackungseinkäufer ist das kurzfristig komfortabel und mit Blick auf die Kontrahierung für 2027 unangenehm.

Bewertungen Ende Juni 2026

Alle Werte sind OPIS-Bewertungen, DDP Nordwesteuropa, Euro je Tonne, Stand Ende Juni 2026.

MaterialFormEUR/t
rPETFlakes1.331–1.341
rPETGranulat1.718–1.728
rHDPEGranulat natur1.705–1.715
rHDPEGranulat weiß1.500–1.510
rHDPEGranulat grau1.111–1.121
rPPGranulat schwarz960–970
rLDPEGranulat grau849–859
rLDPEGranulat schwarz803–813

Die Spanne innerhalb von rHDPE zeigt, wo in diesem Markt der Wert liegt. Naturware erzielt rund 600 Euro je Tonne mehr als graue Ware — mehr als der gesamte Preis von schwarzem rLDPE. Diese Differenz ist keine Frage der Chemie, sondern der Sammel- und Sortierqualität.

Warum die Preise fallen, während die Pflichten steigen

Der scheinbare Widerspruch hat eine einfache Ursache: Die vorgeschriebene Nachfrage kommt später als der Kostendruck. Die PPWR gilt seit dem 12. August 2026, ihre Rezyklatquoten greifen jedoch erst ab 2030 — 30 Prozent für PET-Getränkeflaschen, 30 Prozent für sonstige kontaktsensitive Verpackungen überwiegend aus PET, 10 Prozent für kontaktsensitive Verpackungen aus anderen Kunststoffen. Bis dahin bleibt die regulatorische Nachfrage weitgehend potenziell.

Auf der Angebotsseite wirkt billige Neuware. Petrochemische Überkapazitäten, überwiegend chinesische, halten fossilbasiertes Polymer auf Niveaus, bei denen Rezyklat seinen Preisvorteil verliert. Der Recycler trägt die Kosten für Sammlung, Sortierung, Wäsche und Extrusion und konkurriert dabei mit Material aus einer kontinuierlichen Anlage mit deutlich besserer Skalenökonomie.

Die Folge zeigt sich in der Kapazitätsstatistik. Die EU-Recyclingkapazität wurde 2023 auf rund 13,2 Millionen Tonnen geschätzt; bis Ende 2025 gingen etwa eine Million Tonnen verloren — so viel wie die gesamte französische Kapazität, in zwei Jahren aus dem Markt genommen.

Das Risiko, das die Tabelle nicht zeigt

Niedrige Preise sind für Einkäufer genau so lange eine gute Nachricht, wie es jemanden zum Einkaufen gibt. Auf dem aktuellen Niveau arbeitet ein Teil des Anlagenbestands unterhalb der Rentabilitätsschwelle, und Schließungsentscheidungen fallen üblicherweise im Sommer, wenn ohnehin Stillstände geplant sind.

Hinzu kommt eine strukturelle Änderung noch in diesem Jahr. Ab dem 21. November 2026 verbietet die EU die Ausfuhr von Kunststoffabfällen in Nicht-OECD-Staaten. Geschätzte 500.000 bis 800.000 Tonnen jährlich müssen dann innerhalb der Union verwertet werden. Das erhöht das Abfallangebot — überwiegend in den schlechteren Qualitäten, denn gutes Einsatzmaterial blieb ohnehin in Europa. Der Nettoeffekt auf hochwertiges Rezyklat ist ungewiss; der Effekt auf die Entsorgungskosten der Ausschussfraktionen ist eher gewiss und weist nach oben.

Wie sich dieses Fenster nutzen lässt

  1. Mengen kontrahieren, nicht Spotpreise. Bei schwacher Nachfrage sagen Lieferanten Mengen zu, die sie in einem angespannten Markt verweigern würden. Dieses Fenster schließt sich.
  2. Die Gesundheit des Lieferanten prüfen, nicht nur das Angebot. Das niedrigste Gebot ist mitunter ein Zeichen dafür, dass jemand unter Kosten verkauft, um Liquidität zu halten. Das ist kein Partner für 2027.
  3. Material jetzt qualifizieren, nicht beim ersten Engpass. Die Freigabe eines neuen Lieferanten dauert Monate. Besser, solange es eine Auswahl gibt.
  4. Den Juni nicht auf das Jahr hochrechnen. Bewertungen beschreiben einen Zeitpunkt und eine bestimmte Region; Sommerstillstände verzerren das Bild in beide Richtungen.

Häufig gestellte Fragen

Was kostete rPET Ende Juni 2026?

OPIS bewertete rPET-Flakes mit 1.331 bis 1.341 Euro je Tonne und rPET-Granulat mit 1.718 bis 1.728 Euro je Tonne, DDP Nordwesteuropa.

Warum wird Rezyklat trotz strengerer Regulierung billiger?

Die Rezyklatquoten der PPWR greifen erst ab 2030, die regulatorische Nachfrage ist also noch weitgehend potenziell. Gleichzeitig nimmt billige Neuware aus petrochemischen Überkapazitäten dem Rezyklat heute den Preisvorteil.

Warum ist rHDPE natur so viel teurer als graue Ware?

Naturware stammt aus einem farblich sortierten Strom und lässt sich zu Produkten jeder Farbe verarbeiten, auch zu hellen. Graue Ware ist eine Farbmischung, die sich nicht aufhellen lässt und auf dunkle Anwendungen beschränkt bleibt. Die Differenz beträgt rund 600 Euro je Tonne.

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Quellen: OPIS-Preisbewertungen für den europäischen Rezyklatmarkt, Ende Juni 2026; Kapazitäts- und Ausfuhrangaben nach einer Marktanalyse vom Juli 2026; Verordnung (EU) 2025/40 (PPWR) und Verordnung (EU) 2024/1157.

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