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Plastics Europe: Wachstum der zirkulären Produktion bricht von 13,6 % auf 1,2 % ein

Der Bericht vom 19. Mai 2026 nennt 8,7 Mt zirkuläre Produktion, 15,8 % der europäischen Produktion, 19 % der Verarbeidernachfrage über Importe. Folgen für die Beschaffung bis 2030.

Autor
Robert Karbowy
Datum
// 2026.06.03
ID
PC-2606-074
Lesezeit
4 Min.
A broken loop of plastic pellets on dark concrete
// Inhaltsverzeichnis

Plastics Europe hat am 19. Mai 2026 den Bericht „The Circular Economy for Plastics“ veröffentlicht. Die alle zwei Jahre erscheinende Analyse deckt den Zeitraum 2022 bis 2024 ab und enthält eine Zahl, die den größten Teil des heutigen Rezyklatmarktes erklärt: Das jährliche Wachstum der zirkulären Produktion fiel von 13,6 Prozent im Jahr 2022 auf 1,2 Prozent im Jahr 2024. Die zirkuläre Produktion ist nicht geschrumpft. Sie hat schlicht aufgehört zu wachsen — genau in dem Moment, in dem die EU-Gesetzgebung deutlich mehr davon verlangt.

Die zentralen Zahlen

Der Bericht verwendet den Begriff der zirkulären Produktion, der mechanisch und chemisch recycelte Kunststoffe sowie biobasiertes Material umfasst.

  • 8,7 Mt — zirkuläre Produktion in Europa, entsprechend 15,8 Prozent der gesamten Kunststoffproduktion.
  • 13,6 % → 1,2 % — Einbruch des jährlichen Wachstums zwischen 2022 und 2024.
  • 19 Prozent — Anteil der Importe an der Nachfrage europäischer Verarbeiter nach zirkulären Kunststoffen.
  • 12,4 Prozent — Anteil der in Europa gesammelten Kunststoffabfälle, die außerhalb der Region recycelt wurden.

Die letzten beiden Werte gehören zusammen gelesen. Europa verbringt einen Teil des eigenen Einsatzmaterials zur Aufbereitung nach außen und importiert gleichzeitig etwa jede fünfte Tonne des Rezyklats, das seine Verarbeiter benötigen. Das ist kein geschlossener Kreislauf, sondern ein Kreislauf mit zwei Löchern in entgegengesetzter Richtung.

Warum das Wachstum stockt

Plastics Europe führt die Verlangsamung auf die Wettbewerbskrise des europäischen Kunststoffsystems zurück. Verbandspräsident Rob Ingram fasste die Lage in einem Satz zusammen: Europas Kunststoffhersteller befinden sich im Überlebensmodus.

Der Mechanismus ist einfach. Rezyklat konkurriert preislich mit Neuware. Ist Neuware billig — und sie ist es, wegen petrochemischer Überkapazitäten —, verliert Rezyklat den Vorteil, den es gegenüber teurem fossilem Rohstoff hätte. Die Margen der Recycler schrumpfen, Investitionsentscheidungen werden verschoben, ein Teil der bestehenden Anlagen verlässt den Markt. Ergebnis: jene 1,2 Prozent.

Die Regulierung sollte die Lücke von der Nachfrageseite schließen. Die seit dem 12. August 2026 geltende PPWR schreibt Mindestrezyklatanteile vor: 30 Prozent in Einweg-PET-Getränkeflaschen ab 2030, 30 Prozent in sonstigen kontaktsensitiven Verpackungen überwiegend aus PET und 10 Prozent in kontaktsensitiven Verpackungen aus anderen Kunststoffen. Das Problem ist der zeitliche Versatz: Die Pflicht beginnt 2030, die Investitionsentscheidungen für die entsprechenden Kapazitäten müssten heute fallen.

Konsequenzen für die Beschaffung

Verfügbarkeit wird wichtiger als Preis. Bei 1,2 Prozent jährlichem Wachstum und sprunghaft steigenden Zielen ab 2030 wird die Menge zum Engpass, nicht der Preis. Mehrjahresverträge mit zugesicherten Mengen sind derzeit mehr wert als einige Prozentpunkte Rabatt.

Importe sind bereits eingerechnet, keine Reserve. Wenn 19 Prozent der Verarbeiternachfrage über Importe gedeckt werden, ist der leicht zugängliche außereuropäische Puffer weitgehend aufgebraucht. Die Annahme, man könne „notfalls in Asien nachkaufen“, stützt sich auf eine Prämisse, die nicht mehr gilt.

Angekündigte Kapazität ist keine laufende Kapazität. Investitionsankündigungen im europäischen Recycling gibt es reichlich, in Betrieb genommene Anlagen deutlich seltener. Bei der Lieferantenbewertung ist die Frage „Wie viele Tonnen haben Sie im Vorjahr tatsächlich produziert?“ aussagekräftiger als jede Ausbaupräsentation.

Was der Bericht nicht abbildet

Die Daten enden 2024. Sie erfassen damit weder die PPWR noch das ab 21. November 2026 geltende Verbot der Ausfuhr von Kunststoffabfällen in Nicht-OECD-Staaten, das jährlich zusätzlich 500.000 bis 800.000 Tonnen in der Union halten dürfte.

1,2 Prozent ist folglich keine Prognose, sondern eine Momentaufnahme vor dem regulatorischen Umbruch. Diese Unterscheidung ist auch in Gremiendiskussionen relevant: Die Zahl trägt die Entscheidung, Mengen abzusichern — als Beleg dafür, dass „das europäische Recycling gescheitert“ sei, überdehnt sie jedoch das, was Daten bis 2024 hergeben.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet zirkuläre Produktion im Bericht von Plastics Europe?

Sie umfasst mechanisch und chemisch recycelte Kunststoffe sowie biobasiertes Material. 2024 erreichte sie 8,7 Millionen Tonnen, also 15,8 Prozent der gesamten europäischen Kunststoffproduktion.

Ist die Rezyklatproduktion in Europa 2024 gesunken?

Nein. Gesunken ist das Wachstumstempo, nicht die Menge. Die zirkuläre Produktion nahm weiter zu, 2024 jedoch nur noch um 1,2 Prozent gegenüber 13,6 Prozent im Jahr 2022.

Welchen Zeitraum deckt die Ausgabe 2026 ab?

Die am 19. Mai 2026 veröffentlichte Ausgabe analysiert die Jahre 2022 bis 2024. Die Wirkungen der PPWR und des Ausfuhrverbots in Nicht-OECD-Staaten sind darin nicht enthalten.

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Quelle: Plastics Europe, „The Circular Economy for Plastics — A European Analysis 2026″, veröffentlicht am 19. Mai 2026, Daten für 2022–2024.

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