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Das polnische Pfandsystem (DRS — Deposit Return System) läuft seit dem 1. Oktober 2025. Sechs Monate später haben das Klima- und Umweltministerium und der Zentraloperator Polska Organizacja Kaucyjna den ersten vollständigen Bericht veröffentlicht — 186 Seiten Daten von allen drei Leergutautomaten-Betreibern (Tomra, Envipco, Remondis) und den 11 größten Handelsketten.
Die Ergebnisse sind besser als prognostiziert bei der Rückgabe und schlechter als erwartet bei der kommunalen Sortierung. Die Branche für lebensmittelechtes rPET ist der Hauptgewinner; klassische kommunale Sortieranlagen tragen die Kosten.
Zahlen — Stand 31. März 2026
| Kennzahl | Ziel 2026 | H1-Ergebnis | Status |
|---|---|---|---|
| Rückgabe PET-Flaschen bis 3 L | 65 % | 72,4 % | ✓ über Ziel |
| Rückgabe Aluminiumdosen 0,33–1 L | 70 % | 81,1 % | ✓ über Ziel |
| Rückgabe Mehrwegglas | 55 % | 59,8 % | ✓ Ziel |
| Recyclingfähigkeit zurückgegebenes PET | 90 % | 94,2 % | ✓ über Ziel |
| Fehleinwürfe (non-deposit) | < 5 % | 3,1 % | ✓ Ziel |
| PET im gelben Sack (kommunal) | stabil | −11,3 % | ✗ Rückgang |
Übersetzt: Pfandflaschen kommen deutlich häufiger zurück als prognostiziert. Gleichzeitig verschwinden die wertvollsten Verpackungen aus dem gelben Sack — sie gehen in den Automaten, nicht in den Sack.
Warum die Sortieranlagen leiden
Die PET-Flasche war der ökonomische Anker des kommunalen Stroms. Eine Tonne sortiertes klares PET aus dem gelben Sack brachte PLN 2 200–2 800 — finanzierte das Sortieren und die schwierigeren Fraktionen (bunter PET, PP, PS). Nach DRS sank dieser Erlös um etwa 18 % — schlicht weil weniger Flaschen ankommen.
Zugleich verschlechtert sich die Qualität dessen, was übrig bleibt: ungewöhnlich geformte Flaschen, Nicht-Pfand-Behälter aus Haushaltschemie, Folien, Verschlüsse, Haushaltsreste. Für die Anlage heißt das höhere Betriebskosten je Tonne bei sinkendem Erlös je Tonne.
Sieben von 42 Sortierbetreibern in Polen meldeten im Q1 2026 negative operative Margen. Zwei stellten selektive PET-Linien ein und stiegen auf RDF um. Drei kündigten Investitionen in höherwertige Optosortierer an, um bisher als „schwierig“ geltende Fraktionen zu vermarkten.
rPET-Märkte — Preissprung
Der zweite Effekt: ein struktureller Wandel im Angebot von lebensmittelechtem rPET. DRS liefert hochwertiges Material (vorsortiert, bekannte Herkunft, keine Kreuzkontamination) — der bevorzugte Rohstoff für Bottle-to-Bottle-Recycler.
Durchschnittspreise lebensmittelechtes rPET in Polen, Q1 2026 vs Q4 2025:
- rPET-Flake lebensmittelecht (aus DRS): 780 EUR/t → 920 EUR/t (+18 %)
- rPET-Granulat lebensmittelecht: 1 240 EUR/t → 1 440 EUR/t (+16 %)
- rPET-Mixflake (gelber Sack): 460 EUR/t → 420 EUR/t (−9 %)
Die Qualitätsprämie steigt. Recycler, die den Pfandstrom vom kommunalen Strom trennen und lebensmittelechtes Material produzieren, fahren heute 40–50 % höhere Margen als vor zwei Jahren. Reine „General Purpose“-rPET-Hersteller verlieren Marge.
Was das für FMCG bedeutet
Zwei operative Schlüsse für den Verpackungseinkauf:
- Lebensmittelechtes rPET wird verfügbarer. Polen — zusammen mit Tschechien, der Slowakei und Rumänien, die 2026–2027 DRS einführen — wandelt sich vom Importeur zum Exporteur. Unternehmen mit 30–50-%-Rezyklatzielen für 2030 können bereits 2026/27 aus Polen importieren.
- Aber die Preise wachsen schneller als die Mengen. Langfristige Verträge sind der neue Vorteil. Spot wird teuer und saisonal anfällig.
Erweiterung des DRS 2027
Das Ministerium konsultiert die Aufnahme von:
- PET-Flaschen bis 3 L für Speiseöle (aktuell außerhalb von DRS)
- HDPE-Flaschen für Milch und Milchprodukte (Pilot 2027)
- Tetra-Pak-Kartons (Konsultation — technisch wegen Mehrschichtigkeit schwieriger)
Werden alle drei aufgenommen, erreicht Polen 2028 eine DRS-Abdeckung ähnlich Deutschland (~85 % der Getränkeverpackungen). Das verschiebt die Ökonomie der kommunalen Anlagen weiter zu den verbleibenden Fraktionen — Folien, Kosmetikverpackungen, kleinvolumigen technischen Kunststoffen.
Fazit
DRS in Polen schlägt sich besser als gedacht bei der Sammlung. Das Problem liegt woanders — in der Ökonomie der klassischen Sortieranlage, die ihren wertvollsten Strom verliert. DRS bremsen ist keine Option (die Brüsseler Uhr läuft — die PPWR-Ziele 2030 sind unmissverständlich); die Antwort ist eine Neugestaltung der Sortieranlagen-Finanzierung. Das Ministerium signalisiert dafür eine neue EPR-Tranche im Budget 2027.
Für FMCG-Marken ist 2026 das Jahr, in dem es sich lohnt, langfristige rPET-Verträge zu fixieren. Nach 2027 werden sie nur noch teurer.