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Polnische EPR-Gebühren steigen 2026 um 44–137 % — Konsequenzen für FMCG-Verpackungen

Polens Ministerium für Klima hat die Ziel-EPR-Sätze für 2026 veröffentlicht. Die Erhöhungen reichen von +21 % (Holz) bis +137 % (PS, PVC). FMCG-Marken überprüfen europaweit ihr Verpackungsportfolio.

Autor
Robert Karbowy
Datum
// 2026.04.11
ID
PC-2604-031
Lesezeit
3 Min.
Recycling control dashboard with EPR 2026 data for FMCG producers
// Inhaltsverzeichnis

Am 1. Januar 2026 traten in Polen die Ziel-Sätze der Erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) in Kraft, die in der Novelle des Verpackungsgesetzes 2024 angekündigt wurden. Nach zwei Übergangsjahren erreicht das polnische System ein Niveau, das dem deutschen Grünen Punkt und dem französischen CITEO vergleichbar ist — mit einem deutlichen Unterschied: die Öko-Modulation spreizt die Gebühren um den Faktor drei, abhängig von der tatsächlichen Recyclingfähigkeit.

Für FMCG-Hersteller mit Vertrieb in Polen (und als Benchmark für den Rest Europas) heißt das: Portfolio überdenken. Eine Marke, die bislang billige PVC-Flaschen oder PS/EVOH/PE-Mehrschichtverpackungen nutzte, zahlt 2026 mehr für die Verpackung als für den Inhalt. Eine Marke, die vor zwei Jahren in Mono-rPET investiert hat, erhält bis zu 30 % Öko-Modulationsrabatt.

Die neuen Sätze

Basisgebühren je Tonne Verpackung, die 2026 auf den polnischen Markt gebracht wird:

Material 2025 (PLN/t) 2026 (PLN/t) Δ
Glas 180 230 +28 %
Papier / Karton 145 190 +31 %
Aluminium 195 260 +33 %
Stahl (Dosen) 210 280 +33 %
PET (Flaschen) 540 780 +44 %
HDPE, PP, LDPE 620 920 +48 %
Mehrschicht-Verpackungen 520 780 +50 %
PS, PVC 780 1 850 +137 %

Besonders aufschlussreich ist die PVC- und Polystyrol-Position. Das Klimaministerium nannte diese Polymere in der Gesetzesbegründung „strukturell ungeeignet für den geschlossenen Kreislauf im kommunalen Strom“ und schlug eine abschreckende Gebühr vor — hoch genug, dass selbst billiges Primärgranulat die Verpackung gegenüber Alternativen unwirtschaftlich macht.

Öko-Modulation: warum rPET gewinnt

Die Öko-Modulation arbeitet in drei Klassen:

  • Klasse A — Mono-Verpackung, transparent oder hell, Etikett aus dem gleichen Polymer, Kleber löslich bei 85 °C. Rabatt −25 % bis −30 %.
  • Klasse B — Basissatz.
  • Klasse C — Mehrschicht, PVC-Anteil, duroplastische Kleber, Carbon-Black-Kunststoff, von NIR-Sortierern nicht erkannt. Aufschlag +30 % bis +50 %.

Die Rechnung ist simpel: klare PET-Flasche mit 30 % lebensmittelechtem rPET und Schrumpfetikett aus demselben PET = Klasse A = ~550 PLN/t. Dieselbe Flasche in grünem PET mit PVC-Schrumpfetikett = Klasse C = ~1 130 PLN/t. Mehr als 100 % Unterschied für denselben Liter Getränk.

Bei 5 000 t Verpackungsvolumen pro Jahr sind das fast 3 Mio. PLN (~700 000 EUR) — genug, um ein Redesign allein zu rechtfertigen.

Gewinner und Verlierer

Gewinner: Mineralwasser in klarem PET, Bier in Aluminium und Glas, Milch in unbeschichtetem Karton. Alle, die seit Jahren in Mono-Materialien mit hoher Recyclingfähigkeit investiert haben.

Verlierer 2026:

  • Premium-Kosmetik — HDPE-Flaschen in Sonderfarben (Schwarz, metallisiert), Multimaterial-Verschlüsse mit PVC-Dichtung. Klasse C in den meisten Portfolios.
  • Snacks & Süßwaren — PP/EVOH/PE-Folien mit Sauerstoffbarriere. 2026 keine einfache Alternative, Mono-PE mit SiOx-Beschichtung wird getestet.
  • Haushaltschemie — Flaschen in Markenfarben mit Direktdruck. Aufschläge im einstelligen Millionenbereich pro Jahr bei größeren Marken.

Was die Industrie tut

Die ersten 90 Tage 2026 zeigen drei Reaktionen der FMCG-Hersteller:

  1. Verpackungs-Redesign — Unilever, P&G und L’Oréal kündigten öffentlich den Wechsel von 80 % des Portfolios auf Mono-Materialien bis Ende 2027 an.
  2. Höherer Rezyklatanteil — die Novelle 2027 bringt einen zusätzlichen Rabatt von −10 % pro 25 % Rezyklatanteil. Die Branche zieht die Nachfrage bereits vor: lebensmittelechtes rPET stieg im Q1 2026 um 18 % gegenüber Q4 2025.
  3. Preisweitergabe — Einzelhandelspreise ausgewählter Produkte stiegen im Januar 2026 um 0,8–1,5 %. In Sondersegmenten (Premium-Kosmetik, Fertiggerichte) bis zu 3 %.

Bürokratische Pflichten — SKU-Reporting

Eine zweite, oft übersehene Dimension ist das SKU-genaue Reporting im polnischen BDO-System. Jeder Produktcode (und jede Verpackungsvariante) muss mit Masse, Material und Öko-Modulationsklasse hinterlegt werden. Bei Unternehmen mit tausenden SKUs ist das ein erhebliches IT-Projekt — die meisten integrieren BDO mit ihrem ERP oder kaufen dedizierte Compliance-Module.

Ab 1. Juli 2026 ergänzt die EU-PPWR einen Digital-Product-Passport-QR-Code auf jeder Verpackungseinheit, die in den EU-Markt eingebracht wird — mit Verweis auf Material, Rezyklatanteil und Sortieranleitung in der Sprache des Ziellandes.

Praktische Empfehlung für FMCG-Einkäufer

Drei Schritte, die EPR-Kosten heute spürbar senken:

  • Drei schlechteste SKUs neu designen. 80 % der EPR-Kosten kommen meist aus 20 % der SKUs in Klasse C. Dort anfangen.
  • Mindest-Rezyklatanteil festlegen — 30 % rPET bei Getränkeflaschen, 50 % rHDPE bei Non-Food. Auf diesen Niveaus existiert die Lieferinfrastruktur ohne Premium-Risiko.
  • Mono-Material als Neuprojekt-Standard — auch wenn das eine dickere Einschichtwand statt einer dünnen Dreischicht bedeutet. Niedrigere EPR kompensiert den Mehraufwand am Material.

Q2 2026 zeigt, welche Unternehmen die neuen Regeln ernst nehmen und welche auf die nächste Ausnahme warten. Sicher ist: Status quo kostet Geld — und der Kostenposten ist in den Q1-Berichten bereits sichtbar.

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rPET. rHDPE. rPP.
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