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Coca-Cola, Danone und Unilever revidieren rPET-Ziele 2030 — Realismus kommt in die Präsentation

Nach einem Jahrzehnt Zusagen haben drei der größten FMCG-Konzerne im März 2026 ihre Ziele zum Rezyklatanteil 2030 revidiert. Nicht alle Bewegungen gehen nach unten — die Lehren sind aufschlussreich.

Autor
Robert Karbowy
Datum
// 2026.04.05
ID
PC-2604-043
Lesezeit
3 Min.
Bottling line — major FMCG brands revising rPET 2030 targets
// Inhaltsverzeichnis

Der März 2026 war in der FMCG-Branche ein Monat der Zielrevisionen. Nach einem Jahrzehnt ehrgeiziger Zusagen — und zwei Jahren Marktbeweis — veröffentlichten drei der größten globalen Marken aktualisierte Zusagen zum Anteil von recyceltem PET in Verpackungen bis 2030. Die Lehren sind aufschlussreich — und nicht alle Bewegungen gehen in die Richtung, die das Narrativ vom „Greenwash-Backlash“ nahelegt.

Coca-Cola: von 50 % auf 35 %

Die sichtbarste Veränderung: Coca-Cola senkt das Ziel von 50 % rPET bis 2030 (angekündigt 2022) auf 35 % rPET bis 2030 (angekündigt im März 2026). Die Investor-Mitteilung nennt drei Gründe:

  • Die reale Verfügbarkeit von lebensmittelechtem rPET in Schlüsselmärkten (Asien, Südamerika) wächst langsamer als angenommen
  • Die Kosten von zertifiziertem lebensmittelechtem rPET stiegen in 18 Monaten (H2 2024 – H1 2026) um 40 % gegenüber Virgin PET
  • Compliance-Risiken aus neuen EFSA/FDA-Stellungnahmen zu Mikrokontaminanten schließen einige rPET-Quellen aus

Die Märkte reagierten ruhig — KO-Aktien gaben am Tag der Ankündigung um 0,4 % nach. Analysten von JP Morgan und Barclays nannten die Revision pragmatisch, während verbrauchernahe Medien (NGOs, Fachpresse) die Inkonsistenz mit einer Dekade früherer Aussagen kritisieren.

In Europa, wo Coca-Cola auf DRS setzt, bleibt das Ziel höher — 50 % rPET in Flaschen bis 1 L bis 2028. Die regionale Asymmetrie ist die zentrale Botschaft.

Danone: von 30 % auf 40 % (höher)

Die entgegengesetzte Bewegung bei Danone — die französische Molkerei- und Wassergruppe hob das Ziel von 30 % auf 40 % rPET bis 2030. Begründung:

  • Ein langfristiger Liefervertrag mit Indorama Ventures (weltweit größter rPET-Hersteller) sichert ab 2027 jährlich 180 000 t lebensmittelechtes Material
  • 230 Mio. EUR Investition in zwei eigene PCR-Werke in Spanien und Polen (Racibórz, Start Q3 2026)
  • Danones Strategie „B Corp + Carbon Positive“ verlangt den technisch höchstmöglichen Rezyklatanteil

Als erste Marke des Portfolios wird Evian (Premium-Wasser) auf 100 % rPET im Jahr 2027 vorgezogen — zwei Jahre früher als zuvor zugesagt. Branchenbeobachter lesen das als „Moat Building“ — Positionierung vor Nestlé Waters und Coca-Cola Dasani.

Unilever: unverändert — mit regionalem Twist

Unilever hält an 25 % Rezyklatanteil über alle Kunststoffe bis 2025 (fast erreicht — 24,1 % in 2025) und 50 % bis 2030 fest. Die März-2026-Mitteilung hebt jedoch lebensmittelechtes rPET für Getränke in eine Prioritätsspur — und gibt zu, dass frühere Zusagen zu optimistisch waren.

Erstmals veröffentlicht Unilever einen regionalen Breakdown: Europa + EMEA 60 % Rezyklatanteil bis 2030, Nordamerika 45 %, Asien-Pazifik 30 %. Der Split ist ehrlicher — er spiegelt die reale Rohstoffverfügbarkeit und Sammelinfrastruktur wider.

Was die drei Ansätze verbindet

Trotz oberflächlicher Unterschiede (niedriger, höher, regionalisiert) konvergieren die drei auf drei strategische Lehren:

  1. Regionale Differenzierung statt einer globalen Prozentzahl. Die Dekade „50 % global bis 2030″ ist vorbei. Jede Region hat ihr eigenes, auf lokale DRS/EPR/Sammelinfrastruktur abgestimmtes Ziel.
  2. Vertikale Integration oder Langfristverträge. Danone kauft eigenes PCR-Werk. Coca-Cola hält 5-Jahres-Verträge mit Veolia und Indorama. Unilever investiert in Mr. Green Africa (PCR-Hub in Kenia). Der Spot-Markt reicht für Volumina über 50 000 t/Jahr nicht mehr aus.
  3. Lebensmittelechtes ist der Engpass. Rezyklatanteil für Non-Food-Verpackungen lässt sich leicht skalieren. Der Engpass liegt im Food-Grade: EFSA-zugelassene Rohstoffe, SSP-Kapazität (Solid State Polycondensation) und Zertifizierungskosten begrenzen das Tempo.

Konsequenzen für mittelgroße FMCG

Für mittelgroße Marken (10 000 – 100 000 t PET-Verpackung pro Jahr):

  • Nicht auf den Spot-Markt warten. Große Akteure haben 3-Jahres-Verträge im Voraus gesichert. 2027–2028 wird Spot noch enger.
  • Realistisch zielen. 50 % rPET bis 2028 ist für mittelgroße FMCG heute sehr schwer. 30 % bis 2028 + Pfad zu 50 % bis 2032 ist realistisch und kommunizierbar.
  • Regionale Lieferdifferenzen beobachten. Europa (mit DRS) hat heute einen lebensmittelechten rPET-Überschuss. Polen exportiert etwa 40 000 t/Jahr nach Deutschland. Der Trend beschleunigt sich 2027.

Historischer Kontext

Vor einer Dekade lag der rPET-Anteil in Getränkeflaschen der großen Marken unter 3 %. Heute beträgt der europäische Durchschnitt 22 %, und die ehrgeizigsten Marken (Evian, Perrier, Acqua Panna) erreichen 100 %. Das Veränderungstempo ist real — niedrigere öffentliche Zusagen bedeuten keinen Rückzug, sondern ehrlichere Planung einer laufenden Transformation.

2026 könnte das Jahr sein, in dem Konzernpräsentationen aufhören zu versprechen, was „im ESG-Bericht gut klingt“, und beginnen zu kommunizieren, was tatsächlich lieferbar ist. Für die Branche des lebensmittelechten rPET ist das eine gesunde Verschiebung.

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